Keuzelijst 2022-2023

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Mitgift

Henning Ahrens
D22-01
Klett-Cotta Verlag, 2021, 345 p.

Seit sieben Generationen in Folge bewirtschaften die Leebs ihren Hof. Schließlich gilt es, das Familienerbe zu wahren - allen historischen Umbrüchen zum Trotz. Doch über die Opfer wird geschwiegen. Ahrens erzählt den Roman einer Familie und entwirft ein Panorama der ländlich-bäuerlichen Welt des 20. Jahrhunderts. Gerda Derking kennt sich aus mit dem Sterben. Seit Jahren richtet sie die Toten des Dorfes her, doch in jenem August 1962 würde sie die Tür am liebsten gleich wieder schließen. Vor ihr steht Wilhelm Leeb - der Gerda damals sitzen ließ, um sich die Tochter von Bauer Kruse mit der hohen Mitgift zu sichern. Wilhelm, der in den Krieg zog und erst nach langer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Der gegen Frau und Kinder hart wurde, um Hof und Leben zu verteidigen. Doch nun zeichnet sich auf seinem Gesicht ein Schmerz ab, der über das Erträgliche hinausgeht. Das konfliktbeladene Verhältnis zwischen dem tyrannischen Vater und dem Sohn, der für sich einen Ausweg sucht, schaukelt sich auf.

Die Gegenstimme

Thomas Arzt
D22-02
Residenz Verlag, 2021, 192 p.

April 1938: Der Student Karl Bleimfeldner kehrt in seinen Heimatort zurück, um gegen den ""Anschluss"" an Hitlerdeutschland zu stimmen - als einziger im Dorf. Die riskante Tat bleibt nicht ohne Folgen im politisch aufgehetzten Landstrich. Gerüchte werden laut. Die Familie verstummt. Und eine Handvoll Übermütiger bricht auf, um den Verräter im Wald zu stellen. Wie durch ein Brennglas nimmt Thomas Arzt in ""Die Gegenstimme"" die 24 Stunden des 10. April in den Blick, an dem sich die nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich vollzog, und schildert vielstimmig und eindringlich die Geschichte seines eigenen Großonkels. Gegenstimmen sind immer gut und sollten unbedingt gehört weren. Ein interessanter Debütroman.

Die gerettete Zunge

Elias Canetti
D22-03
Fischer Verlag, 1977, 336 p.

Erzählt die ""Geschichte einer Jugend"" und ist der Auftaktband zu seiner Autobiographie, die er mit Die Fackel im Ohr und Das Augenspiel fortsetzte, ein einmaliges Panorama vom Beginn des 20. Jahrhunderts entwerfend. Seine frühe Kindheit verbringt Canetti in der kleinen bulgarischen Stadt Rustschuk im Ghetto der Spaniolischen Juden. Die ersten Schuljahre sind an das Kaufmannsmilieu von Manchester geknüpft, den Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebt er im kaiserlichen Wien, die Kriegs- und Nachkriegsjahre im friedlichen Zürich. Canetti erzählt von einer glücklichen Kindheit, in der vor allem die Mutter dem Kind schon früh den Weg in die Literatur wies. Canetti gehört mit seinen kritischen, nicht sehr leicht zugänglichen Texten wie ‚Die Blendung (1935) und ‚Masse und Macht (1960), zu den großen deutschsprachigen Autoren. Die Art aber, wie die multikulturelle Großfamilie, in der Elias Canetti aufwächst, in ""der geretteten Zunge"" geschildert wird macht Appetit auf mehr Canetti.

Eurotrash

Christian Kracht
D22-04
Kiepenheuer & Witsch, 2021, 224 p.

„Also, ich musste wieder auf ein paar Tage nach Zürich. Es war ganz schrecklich. Aus Nervosität darüber hatte ich mich das gesamte verlängerte Wochenende über so unwohl gefühlt, dass ich unter starker Verstopfung litt. Dazu muss ich sagen, dass ich vor einem Vierteljahrhundert eine Geschichte geschrieben hatte, die ich aus irgendeinem Grund, der mir nun nicht mehr einfällt, 'Faserland' genannt hatte. Es endet in Zürich, sozusagen auf dem Zürichsee, relativ traumatisch?. Christian Krachts lange erwarteter neuer Roman beginnt mit einer Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in "Faserland" ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. Für einen Rezensenten der Süddeutschen Zeitung liest sich dieses Buch wie ein "heiterer Abenteuerroman". Ein Rezensent der Volkskrant schreibt nach Erscheinen der Übersetzung: „Gitzwart, soms dolkomisch boek over een Zwitserse roadtrip?.

Die Liebe im Ernstfall

Daniela Krien
D22-05
Diogenes Verlag, 2019, 228 p.

Sie heißen Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde. Sie kennen sich, weil das Schicksal ihre Lebenslinien überkreuzte. Als Jugendliche erlebten sie den Fall der Mauer, und wo vorher Grenzen und Beschränkungen waren, ist nun die Freiheit. Doch Freiheit, müssen sie erkennen, bedeutet Entscheidungen zu treffen, den Zwang, zu wählen. Fünf Frauen, die das Leben beugt, aber keinesfalls bricht. Daniela Krien entwickelt das Geschehen mit großem Einfühlungsvermögen nacheinander aus den Perspektiven der fünf Romanfiguren. Trotz ernster und tiefgreifender Themen ist die Lektüre des Romans leicht und unterhaltsam. Ihre Sprache wirkt unangestrengt und geschliffen zugleich. Es ist das Buch, das der Literaturkritiker Denis Scheck (Druckfrisch, ARD) jedem in die Hand drücken möchte, der etwas über deutsche Gegenwartsliteratur, das Land und seine Menschen erfahren möchte.

Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene

Erich Loest
D22-06
Lindenverlag, 2021, 294 p.

Der Mann, der hier erz?hlt, ist kein Held. Wolfgang Wülff lebt in Leipzig, ist ein brauchbarer Ingenieur, ohne brennenden Ehrgeiz. Als jugendlicher Beatles-Fan hat er vor Jahren mit der Staatsmacht (in Gestalt der Volkspolizei) Bekanntschaft gemacht, seither will er vor allem in Ruhe gelassen werden. Deshalb meint er, es sei besser, nicht aufzufallen. Seine Frau freilich, die will ihn anders haben. Als er sich ihrem Ehrgeiz widersetzt, geht die Ehe zu Bruch. Wülff muß einen Neubeginn finden. Loests Roman versucht auf ganz kunstlose Weise ein offenbar grassierendes gesellschaftliches Dilemma zu fixieren: daß Individuen sich immer mehr dem Anspruch eines allm?chtigen Staates und seines R?dersystems (hierzulande Leistungdruck genannt) entziehen wollen. (Kommentar von Fritz J. Raddatz zum 1985er Druck im dtv). In diesem, in der DDR lange Zeit verbotenen Roman, nimmt Loest uns mit in das Alltagsleben in der DDR. Auf leichter Art erz?hlt er uns von einem ehrgeizlosen Mann, der sich anlegt mit seiner ehrgeizigen Frau und Staat. Unser Held nimmt es auf die leichte Schulter.

Dunkelblum

Eva Menasse
D22-07
Kiepenheuer & Witsch, 2021, 511 p.

Auf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade dieser österreichischen Gemeinde nah an der Grenze zu Ungarn verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Die älteren Dunkelblumer schweigen seit Jahrzehnten über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, als der Eiserne Vorhang Risse bekommt, wird es auch in Dunkelblum unruhig. Plötzlich legen Studenten aus der Hauptstadt den fast vergessenen jüdischen Friedhof frei, stellt ein Tourist unangenehme Fragen, zetteln ein paar Bauern einen Aufstand gegen den überforderten Bürgermeister an. Das alte Geheimnis will ans Tageslicht. Menasse hat für diese Geschichte über verdrängte Schuld, die beruht auf einer wahren Begebenheit, eine eigene Sprache gefunden. Sehr lesenswert.

Der Fallmeister - Eine kurze Geschichte vom Töten

Christoph Ransmayr
D22-08
Fischer Verlag, 2021, 219 p.

Der Fallmeister ist einen dystopischen Roman. Europa und Amerika sind zerfallen in Kleinstaaten, die einander bekriegen wegen Wasser. Denn Wasser ist der kostbarste Rohstoff geworden und Hydrotechniker sind die neuen, privilegierten Aristokraten. Der Ich-Erzähler ist so einen Wassertechniker, der überall an großen Flüsse Wirbelstromkraftwerke gebaut hat. Er kehrt zurück am Weißen Fluss mit dem Ziel zu untersuchen, ob sein Vater, der Fallmeister, dort ein Verbrechen begangen hat. Hat er die Schleusensysteme bei dem großen Wasserfall sabotiert? Und warum wurde Mutter verjagt? Ransmayr hat bestimmt kein einfaches Buch geschrieben, es ist auch weniger reizvoll als Cox oder Der Lauf der Zeit, aber es lohnt sich auch diesen Roman zu lesen.

Identitti

Mithu Sanyal
D22-09
Hanser, Carl GmbH + Co, 2021, 432 p.

Was für ein Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist weiß! In diesem Text wird eine öffentlichkeitsverliebte Düsseldorfer Professorin, die Intercultural Studies und Postkoloniale Theorie unterrichtet- und die sich nicht nur nach der indischen Göttin Saraswati benannt hat, sondern auch als authentische Inderin ausgibt und sich die Haut chirurgisch verdunkeln ließ enttarnt. Sie ist schlicht eine biodeutsche Sarah Vera Thielmann aus Karlsruhe. Ihre Schülerin Nivedita, die als Bloggerin unter dem Namen Identitti bekannt ist, berichtet von dem Skandal und liefert sich dabei einen rasanten Schlagabtausch mit ihrer Professorin zur Debatte um Identität und Herkunft. Auch die Öffentlichkeit ist empört und die postkolonial bewegte Community ruft zu Demos auf, auf denen sie Sarah Vera Thielmanns Entlassung fordert. Der Leser könnte bei diesem Thema Angst vor viel ‚Blasenvokabular haben. Mithu Sanyal aber erzählt in ihrem Debüt mit beglückender Selbstironie und befreiendem Wissen von Identitätsfragen und Zugehörigkeit. Der Leser wird angeregt, sich der eigenen Blickwinkel bewusst zu werden.

Las Casas vor Karl V.

Reinhold Schneider
D22-10
Suhrkamp Verlag , 1938, 156 p.

Reinhold Schneider hat in seinen Arbeitsnotizen vom „Gewissen des Abendlandes gesprochen, dessen „Sprecher Las Casas sei. Las Casas (1474-1566), der leidenschaftliche Streiter für die Gleichberechtigung der Indios in den amerikanischen Kolonien gegen die mit seinem Missionsauftrag unvereinbare Ausbeutung und den Völkermord durch die spanischen Eroberer, schifft sich nach Spanien ein, wo er den Kaiser für einen grundsätzlichen Wandel in der Kolonialpolitik gewinnen will. Sein Reisegefährte Bernadino de Lares, der heimkehrende Konquistador, bestärkt Las Casas darin, die Zustände in den Kolonien zu bekämpfen. In der großen, historisch belegten Disputation vor Karl V. tritt Bernardino, seelisch und körperlich gebrochen, als Zeuge für Las Casas auf. In seinem triumphlosen Sieg erreicht Las Casas, dass der Kaiser die „Neuen Gesetze verkündet, und nimmt die schwere Mission an, sie als Bischof in Mexiko zu verbreiten. (Ein Buch, das schon 1938 erschien, und wie all seine Werke verboten wurde. Nach 1945 wurde Schneider als das ""Gewissen der Nation"" gepriesen. 1956 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.) Dies ist wohl eines der Bücher, das man nicht vergessen sollte.

Lieutenant Gustl

Arthur Schnitzler
D22-11
Reclam Verlag, 1901, 45 p.

Gegen Lieutenant Gustl aus der Armee des Kaisers Franz Joseph fühlt sich eines Abends in seiner Ehre verletzt durch einen Bäckermeister. Der hat ihm ein dummer Bub genannt und gedroht seinen Säbel zu zerbrechen. Aber ein Offizier kann sich nicht duellieren mit einem Bäckermeister. Gustl sieht kein anderer Ausweg als Selbstmord. Und so lauft er jetzt durch die nächtlichen Straßen Wiens; verwirrt und ängstlich. Im Morgengrauen hört er, dass der Bäckermeister gestorben ist; Schlaganfall um Mitternacht. Große Erleichterung; niemand wird etwas über die Beleidigung erfahren, die Ehre ist gerettet. Der Leser erlebt diese Geschichte hautnah, denn Schnitzler hat die Form eines inneren Monologs gewählt. Aber er erfahrt auch vieles über den menschenverachtenden Charakter des Offiziers in der Habsburgermonarchie.

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Alena Schröder
D22-12
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co, 2021, 366 p.

In Berlin tobt das Leben, nur die 27-jährige Hannah spürt, dass ihres noch nicht angefangen hat. Ihre Großmutter Evelyn hingegen kann nach beinahe hundert Jahren das Ende kaum erwarten. Ein Brief aus Israel verändert alles. Darin wird Evelyn als Erbin eines geraubten und verschollenen Kunstvermögens ausgewiesen. Warum weiß Hannah nichts von der jüdischen Familie? Und weshalb weigert Evelyn sich so beharrlich, über die Vergangenheit und besonders über ihre Mutter Senta zu sprechen? Die Spur der Bilder führt zurück in die 20er Jahre, zu einem eigensinnigen Mädchen namens Senta. In diesem temporeichen Roman werden wir durch das Leben vier Generationen starker Frauen geführt. Jede sucht zur Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Gut und Böse gehen Hand in Hand in einer hunderj?hrigen Zeitspanne. Das zeigt sich unter anderem in zwei Kindesverstossungen, Plagiatfragen, Raubkunst, ein Me Too Fall, und der Frage ob man sich Leid und Besitz anderer Generationen aneignen darf.

Vom Aufstehen

Helga Schubert
D22-13
dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co, 2021, 219 p.

Ein Jahrhundertleben verwandelt in Literatur. Drei Heldentaten habe sie in ihrem Leben vollbracht, erklärt Helga Schuberts Mutter ihrer Tochter: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. Helga Schubert erzählt in kurzen Episoden und klarer, berührender Sprache ein Jahrhundert deutscher Geschichte ihre Geschichte, sie ist Fiktion und Wahrheit zugleich. Mehr als zehn Jahre steht sie unter Beobachtung der Stasi, bei ihrer ersten freien Wahl ist sie fast fünfzig Jahre alt. Doch erst nach dem Tod der Mutter kann sie sich versöhnen: mit der Mutter, einem Leben voller Widerständen und sich selbst. Anrührend, sehr bewegend. Ein einfaches, gütiges Leben, mild und sanft beschrieben. Elke Heidenreich in „Spiegel Online Garantie für ein paar schöne Stunden.

Die Kanzlerin

Ursula Weidenfeld
D22-14
Rowohlt Berlin, 2021, 352 p.

Das mächtigste Amt der deutschen Politik hat noch niemand freiwillig aufgegeben - außer Angela Merkel. Bis zum Ende ihrer Amtszeit hat sie hohe Zustimmungswerte erhalten, immer wieder hat sie sich als Krisenmanagerin bewährt. Und so schätzen sie die Deutschen: Angela Merkel ist so pragmatisch, wie Helmut Schmidt es gerne gewesen wäre. Ideologien, Weltanschauungen, Grundsatzfragen interessieren sie wenig. Unaufgeregt schlachtete sie mehrere heilige K?he der Christdemokraten, etwa die Wehrpflicht oder die Kernkraft. Kritiker warfen ihr deshalb vor, ihr einziges Programm sei es, Kanzlerin zu sein. (Das Buch ist nach Merkels Motiven ihrer Kanzlerschaft strukturiert.) Es sind in dem Jahr des Beendens ihrer Kanzlerschaft mehrere Bücher über Merkel erschienen; dieses Buch zeichnet sich aus durch den lesenswerten Stil.

Brennendes Licht. Anna Seghers in Mexiko

Volker Weidermann
D22-15
Aufbau-Verlage, 2020, 186 p.

Anna Seghers Jahre im mexikanischen Exil. 1941: Als Anna Seghers endlich die Flucht aus Europa gelingt, ahnt sie nicht, dass die Jahre in Mexiko ihr Leben entscheidend prägen werden. Hier wird sie mit der Veröffentlichung des ""Siebten Kreuzes"" in den USA über Nacht berühmt, hier schreibt sie ihre wichtigsten Werke und erfährt sowohl den Verlust der Mutter, die sie nicht mehr aus Nazi-Deutschland retten kann, als auch die eigene Endlichkeit, als sie bei einem schweren Verkehrsunfall fast stirbt. In den Jahren 1941 bis 1947 trifft sie in Mexiko Stadt nicht nur Diego Rivera, Frida Kahlo und Pablo Neruda, sondern auch deutsche Exilkommunisten und Juden, die wie sie mit dem Stalinismus ringen. Hannah Bethke, Rezensentin der FAZ, empfiehlt, neben Lesen des Buches auch das Hörbuch mit einzubeziehen. Das mache die Geschichte eigentlich erst spannend.

Hard Land

Benedict Wells
D22-16
Diogenes Verlag AG, Zürich, 2021, 338 p.

Entdecke die 49 Geheimnisse von Grady heißt es auf dem Schild einer Kleinstadt in Missouri. Sam ist fünfzehn und kennt kein einziges, und auch sonst besteht sein Leben eher aus Tiefpunkten. Bis er seinen Ferienjob in einem alten Kino anfängt. Dort trifft er nicht nur auf den schlagfertigen Cameron und den in dich gekehrten Sportler Hightower, sondern auch auf die draufgängerische und etwas ältere Kirstie, in die er sich verliebt. Doch alle drei haben gerade ihren Abschluss gemacht und werden im Herbst wegziehen. Sam bleibt also nur dieser eine Sommer mit seinen neuen Freunden. Nur wenige Wochen, in denen er nicht nur die Geheimnisse seines Heimatorts entdeckt, sondern auch, wer er selbst ist. Und was es heißt, sich dem Leben wirklich zu stellen. Eine witzige und berührende Geschichte voller 80s-Flair. Über den Schmerz des Erwachsenwerdens und sein Lebensgefühl, das man nur einmal erlebt. Ein sehr gut geschriebenes Buch über das Erwachsenwerden, das beim Lesen viel Freude macht.

Über Menschen

Juli Zeh
D22-17
Luchterhand Verlag, 2021, 412 p.

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie musste dringend raus aus der Stadt, auch wenn sie nicht genau weiß, wovor sie auf der Flucht ist. Großstadt, Lockdown, stressiger Job, ein übereifriger Freund, dazu Donald Trump, Brexit und Rechtspopulismus wann ist die Welt eigentlich dermaßen durcheinandergeraten? Dass Bracken, dieses kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht die ländliche Idylle ist, von der manche Städter träumen, war Dora klar. Alle haben sie vor der Provinz gewarnt. Jetzt sitzt sie trotzdem hier, in einem alten Haus auf einem verwilderten Grundstück, mit einem kahlrasierten Nachbarn hinter der Gartenmauer, der sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint. Doch dann passieren Dinge, die ihr Weltbild ins Wanken bringen. Sie trifft Menschen, die in kein Raster passen, und steht vor einer Herausforderung, die Antwort auf die große Frage verlangt, worauf es im Leben eigentlich ankommt. Ein moderner Roman aus der Zeit der Coronapandemie, in dem viele moderne Probleme zusammenkommen.