Keuzelijst Duits, aanvulling 2020-2021


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Sechs Koffer

Maxim Biller
D19-02
Kiwi Verlag, Kriminalroman, 2018, 208 Seiten
  • E-book

Maxim Biller, geboren 1960, ist ein deutscher Schriftsteller und Kolumnist. 2015-2016 War er Mitglied in der literaturkritischen Fernsehsendung ‚das Literarische Quartett‘. Wir leben 2019. Noch immer werden in Deutschland Familiengeschichten erzählt, die von Flucht und Judenhass sprechen, die zur gleichen Zeit so gut erzählt werden, dass sie auf der Shortliste des deutschen Buchpreises landen. In diesem Fall startet die Geschichte nicht in den dreißiger, sondern in den sechziger Jahren. In Moskau wird der Großvater denunziert. Die Familie flieht aus Moskau, über Prag nach Hamburg. Wer hat den Großvater an den KGB verraten? Aus 6 Perspektiven wird über diesen folgenreichen Verrat gesprochen. Diese Familiengeschichte ist spannend wie ein Kriminalroman, voller Widersprüche, Verrat und Vertrauen. Biller selber nennt seine Texte „forschende Fiktion““. Er ist ein virtuoser Stilist und schreibt mit Witz.

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Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz
D19-03
Verlag Klett-Cotta, Roman, 2018, 303 Seiten
  • E-book

Der jüdische Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, wird in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Geschäft gebracht. Mit einer Aktentasche voll Geld, das er vor den Häschern des Naziregimes retten konnte, reist er ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Sein Versuch, illegal die Grenze zu überqueren, scheitert jedoch. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in Zügen, auf Bahnsteigen, in Bahnhofsrestaurants. Er trifft auf Flüchtlinge und Nazis, auf gute wie auf schlechte Menschen. Noch nie hat man die Atmosphäre im Deutschland dieser Zeit auf so unmittelbare Weise nachempfinden können. Denn in den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, spiegelt sich eindrücklich die schreckenerregende Lebenswirklichkeit jener Tage. „Ein wirklich bewegender, aber auch instruktiver Text. Ein großer Gewinn! Für einen Dreiundzwanzigjährigen ein ganz erstaunliches Werk“. Brigitte Kronauer

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Es gibt nicht viel Information über Boschwitz und sein Werk. Auf folgender Site kann man einiges finden.

Babel

Kenah Cusanit
D20-01
Hanser Verlag, Roman, 2019, 266 Seiten

Die biblische Geschichte über den Turm zu Babylon ist eine wahre Geschichte. Der Archäologe Robert Koldewey hat vor mehr als hundert Jahren bei Ausgrabungen die Reste Babylons gefunden und auch das Fundament des Turms. Kenah Cusanit beschreibt in ihrem Tatsachenroman einen Tag im Leben Koldeweys. Es ist 1913 und in der Gegend von Bagdad nehmen die Spannungen zu. Der Grabungsleiter Koldewey ist krank und während er sich um seine Gesundheit sorgt, beschäftigt ihn auch was in den letzten Jahren alles passiert ist. Die Schwierigkeiten mit seinen Auftraggeber in Berlin, sein Besuch beim Kaiser Wilhelm II, der sich seht für seine Arbeit und seine Probleme mit seinen Mitarbeitern interessiert. Babel ist keine leichte Lektüre, aber die Geschichte ist mitreißend und gut geschrieben. Ihre Beschreibungen von Land und Leute und von Ausgrabungstechniken verraten eine große Sachkenntnis.Kusanit ist vom Fach. Sie ist Altorientalistin und Ethnologin.

Fräulein Nettes kurzer Sommer

Karen Duve
D19-04
Verlag Galiani, 2018, 592 Seiten
  • E-book

Fräulein Nette ist das schwarze Schaf, das nicht in die Herde ihrer adligen Verwandten passen will. Während ihre Tanten und Cousinen brav am Kamin sitzen und sticken, zieht sie mit einem Berghammer bewaffnet in die Mergelgruben, um nach Mineralien zu stöbern. Das Schlimmste aber ist ihre scharfe Zunge. Wenn die Künstlerfreunde ihres Onkels August nach Bökerhof kommen, über Kunst und Politik sprechen, mischt sie sich ungefragt ein. Ein Enfant terrible ist sie, wohl aber nicht für alle. Heinrich Straube, Mittelpunkt der Göttinger Poetengilde, fühlt sich jedenfalls sehr hingezogen zu der Nichte seines besten Freundes. Seine Annäherungsversuche im Treibhaus der Familie bleiben durchaus nicht unerwidert. Allerdings ist er nicht der einzige. Dieses Buch empfehle ich all denjenigen, die noch nie etwas von Annette von Droste-Hülshoff gelesen haben, die darüber hinaus in den historischen Hintergrund interessiert sind und liebend gern Biografien lesen.

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Unter der Drachenwand

Arno Geiger
D19-05
Verlag Carl Hanser, Roman, 2018, 480 Seiten

Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, und trifft hier zwei junge Frauen. Doch Veit ist Soldat auf Urlaub, in Russland verwundet. Was Margot und Margarete mit ihm teilen, ist seine Hoffnung, dass irgendwann wieder das Leben beginnt. Es ist 1944, der Weltkrieg verloren, doch wie lang dauert er noch? Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen, vom "Brasilianer", der von der Rückkehr nach Rio de Janeiro träumt, von der seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich - und von der Liebe. Ein herausragender Roman über den einzelnen Menschen und die Macht der Geschichte, über das Persönlichste und den Krieg, über die Toten und die Überlebenden. Ein schöner Roman über liebevolle Menschen in einer lieblosen Zeit.

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Im Krebsgang

Günther Grass
D19-06
Steidl Verlag, Novelle, 2002, 216 Seiten

Günther Grass gehört mit Siegfried Lenz zu den großen deutschen Erzählern, deren Thema die Vergangenheitsbewältigung ist. Er bekam 1999 den Nobelpreis. Tatsache ist: Anfang 1945 ertranken im eiskalten Wasser der Ostsee 5000 bis 9000 Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder, als die ‚Wilhelm Gustloff‘, ein ehemaliges Urlaubsschiff der Nazis, von einem russischen U-boot versenkt wurde. Erfindung: Tulla aus der Familie Pokriefke - dem Leser schon seit den Blechtrommeln bekannt- ist auch an Bord und wird gerettet. Ihr Sohn Paul, der Ich-Erzähler wird auf dem Rettungsschiff geboren. Ihr Enkelsohn Konni zieht höchst brisante Konsequenzen aus dieser Familiengeschichte und scheint neonazistischen Sympathien nachzuhängen. In dieser Novelle wird ein kompliziertes deutsches Thema angesprochen; darf man im Licht des Holocausts über deutsche Opfer des Zweiten Weltkriegs sprechen? Und welche Folgen hat das für die heutige Generation? Grass geht das Thema indirekt an und benutzt die Metapher des Krebsganges, wobei er historische und technische Tatsachen mit Erfindung vermischt.

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Engel des Vergessens

Maja Haderlap
D20-02
Verlag btb, Roman, 2011, 287 Seiten

Hier erzählt Maja Haderlap die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes, der Slowenen in Kärnten. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. Die Erinnerungen an jene schreckliche Zeit gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott. Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste in einen Zusammenhang zu bringen - und schließlich als junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit. Atemberaubende Auseinandersetzung mit der Geschichte dreier Generationen in Südkärnten.

Die morawische Nacht

Peter Handke
D20-03
Verlag Suhrkamp, Erzählung, 2006, 560 Seiten

Peter Handke (1942) hat eine beträchtliche Anzahl von literarischen Texten geschrieben und 2019 den Nobelpreis gewonnen. Das ist ein guter Grund, sich in diesen Autor zu vertiefen. Mit dem Theaterstück Publikumsbeschimpfung wirbelte er 1966 viel Staub auf. Er blieb immer - u.a. wegen seiner politischen Äußerungen über Jugoslawien (seine Mutter stammt aus Serbien) - eine umstrittene Figur. Sein poetisches und stilistisches Talent werden zugleich allseits gerühmt. Er ist Verteidiger der Literatur als Anschauungskunst gegenüber zweckgebundenem Schreiben. In der längeren Erzählung " Die morawische Nacht (2006) zieht Handke gleichsam die Bilanz seines Dichterlebens. In einer Neumondnacht lädt ein „ehemaliger Autor die Freunde seines Lebens auf sein Hausboot am Ufer der Morawa, einem serbischen Nebenfluss der Donau, um ihnen eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte enthält Reise, Episoden, meisterhafte Miniaturen, Meditationen und Alltagsbeobachtungen, autobiografische Erinnerungen und poetologische Reflexionen und führt zu den Orten, an denen alles begann; sie erzählt seine Lebensreise durch Europa

Mittagsstunde

Dörte Hansen
D20-04
Verlag Penguïn, Roman, 2018, 320 Seiten

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Dörte Hansen erzählt vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn. Nicht ohne Grund ist die Autorin Dörte Hansen auch bei unseren Lesern sehr beliebt. Sie schreibt voller Empathie ohne jemals sentimental zu werden über Menschen, die sich in einer Welt, die sich verändert, zurechtfinden müssen

Ein Bild von Lydia

Lukas Hartmann
D19-07
Verlag Diogenes, 2018, 353 Seiten
  • E-book

Ein Bild von Lydia von Lukas Hartmann ist ein bewegender, historischer Roman über eine verbotene Liebe in der Belle Epoque. Lydia Welti-Escher war eine der reichsten Frauen in der Schweiz. Klug und kunstbegeistert. Sie war die Tochter von Alfred Escher, im neunzehnten Jahrhundert, sehr einflussreich in der Schweizer Politik und Wirtschaft. Und sie war verheiratet mit Friedrich Emil Welti, Sohn des mächtigsten Bundesrats in der Schweiz. Ihre Liebesaffäre mit dem Maler Karl Stauffer wurde zum Skandal; Ehebruch in der sittenstrengen Schweiz. Der eigentliche Skandal war, was Vater und Sohn Welti unternahmen, um Lydia zu erniedrigen. Lydias Versuch ein selbstbestimmtes Leben zu führen scheiterte. Diese wahre Geschichte von Lydia Welti-Escher wird im Roman erzählt aus der Sicht von Luise, Lydias Dienstmädchen, das immer mehr zu Vertrauensperson wird. Für einen Erzähler eine verlockende Perspektive, die auch Nachteile hat. Ein Dienstmädchen sieht und hört viel, aber durchgründet nicht alles. Dadurch bleibt das Bild von Lydia und anderen unvollständig. Trotzdem fesselnde Lektüre.

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Glückskind mit Vater

Christoph Hein
D19-08
Suhrkamp Verlag, Roman, 2016, 525 Seiten

Die Verbrechen der Väter lasten auf ihren Kindern, manchmal ein Leben lang. Das ist das Thema im Roman Glückskind mit Vater von Christoph Hein. Er erzählt die Geschichte von Konstantin Boggosch, der in einer Kleinstadt in der DDR aufwächst und dort erfährt, dass sein Vater, den er nie gekannt hat, grausame Kriegsverbrechen begangen hat. Dieser Vater, gegen Ende des Krieges gehenkt, wird ihn fast das ganze Leben verfolgen und behindern. Der Roman ist ein, in einer einfachen Sprache geschriebenen Lebensbericht, der keinen Leser unberührt lässt. Es ist auch deutsche Geschichte, und zwar die Geschichte eines nach dem Krieg gespaltenen Deutschlands, in dem in den fünfzigern und sechziger Jahren Kriegsverbrecher unterschiedlich beurteilt wurden. Konstantin Boggosch wurde in der DDR benachteiligt weil sein Vater ein Kriegsverbrecher war. Nach 1990 im vereinten Deutschland wurde er benachteiligt, weil er in der DDR geblieben war. Ein sehr lesenswertes Buch.

Der Gang vor die Hunde

Erich Kästner
D20-05
Atrium Verlag, Roman, 2013, 320 Seiten

Anarchistisch und sexuell freizügig, wild und frivol, kraftvoll und respektlos Erich Kästners Roman „Der Gang vor die Hunde gilt als sein Meisterwerk. Doch 1931 erschien es in einer entschärften und zensierten Version und obendrein unter einem Titel, der nicht in Kästners Sinne war: „Fabian. Nun liegt das Buch zum ersten Mal so vor, wie Kästner es gemeint und geschrieben hat - ein Verdienst des Herausgebers Sven Hanuschek und des Atrium Verlags. Hanuschek hat Wort für Wort rekonstruiert und das Buch mit einem umfassenden Nachwort versehen. Eine kraftvolle Wiederentdeckung! Diese Ausgabe gibt dem Rezensenten Gelegenheit, Kästners brillanten Stadtroman wieder zu lesen, als Märchen für Erwachsene oder freie Satire auf die letzten Weimarer Tage. Es ist ein ergreifendes wie zutiefst menschliches Buch (Frankfurter Allgemeine).

Zeitenwende (Band 3)

Carmen Korn
D19-10
Kindler-Rowohlt Verlag, 2018, 560 Seiten
  • E-book

Band 1, Töchter einer neuen Zeit. Band 2, Zeiten des Aufbruchs. Band 3, Zeitenwende. Henny Unger feiert einen runden Geburtstag, siebzig Jahre ist sie geworden. So alt wie das Jahrhundert. Beim Gartenfest an ihrer Seite: die Freundinnen Käthe, Lina und Ida – wie seit Jahrzehnten schon. Doch längst hat sich der Kreis der Gratulanten erweitert. Aus den vier Freundinnen sind Mütter und Großmütter geworden. Hennys Enkelin Katja träumt davon, als Fotoreporterin um die Welt zu reisen, Idas Tochter Florentine kehrt mit einer Überraschung nach Hamburg zurück. Und auch Ruth, die Adoptivtochter von Käthe, ist fester Teil des Freundschaftsbunds. Denn zu Hennys großer Freude führt die nächste Generation die Tradition fort: Sie teilen Glück und Leid miteinander, die kleinen und die großen Momente.Vom Deutschen Herbst über die Wiedervereinigung bis zur Jahrtausendwende. Anhand einiger Hamburger Freundinnen und ihrer Familien beschreibt Carmen Korn die bewegte und bewegende Geschichte Deutschlands in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts. Mit Zeitenwende findet die Jahrhundert-Trilogie ihren Abschluss.

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  • Literatur von und über Carmen Korn
  • Carmen Korn im Lexikon der deutschen Krimi-Autoren
  • Befragungen im Bonner Krimi Archiv: Carmen Korn

Archipel

Inger - Maria Mahlke
D19-11
Verlag Rowohlt, Familienroman, 2018, 432 Seiten
  • E-book

Die Autorin hat mit diesem Buch den Deutschen Buchpreis 2018 gewonnen. "Archipel ist eine große Reise durch die Zeit und bis ans Ende Europas. Die Städte Teneriffas atmen ihren ewigen Sommer, aber zwischen all den Gerüchen und Geräuschen des ewigen Sommers spürt man den Luftzug eines ganzen Jahrhunderts." (aus dem Kommentar der Jury). Inger-Maria Mahlke führt rückwärts durch ein Jahrhundert voller Umbrüche und Verwerfungen, großer Erwartungen und kleiner Siege. Es ist das Jahrhundert der Bautes und Bernadottes, der Wieses, der Moores und González' - Familiennamen aus ganz Europa. Dieser Roman ist allein schon der Struktur wegen interessant, aber auch weil es eine Familiensaga ist mit der spanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts als Hintergrund.

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Munin oder Chaos im Kopf

Monika Maron
D19-12
Fischer Verlag, Roman, 2018, 224 Seiten
  • E-book

Marons neues Buch erzählt von einer Frau, Mina Wolf, die den Dreißigjährigen Krieg studiert. In ihrem Haus wohnt eine verrückte Sängerin, die sie dazu treibt, nachts zu arbeiten. Vor ihrer Haustür wüht außerdem der Straßenkrieg. Die nächtlichen Stunden lassen das Chaos in ihrem Kopf zunehmen und sie grübelt über Themen wie die Migrantenfrage, Sterbehilfe oder die Genderdiskussion. Sie führt darüber Gespräche mit einer Krähe, Munin, nicht immer politisch korrekt aber mit Ironie. Monika Maron, geboren 1941, deren Vater Innenminister in der DDR war, reiste 1988 aus der DDR aus. Sie ist auch heute eine regierungskritische Journalistin und Autorin. Sie meint, dass ihre Landsleute den Mut haben sollten, über die aktuellen Fragen eine offene Debatte zu führen. In ihren literarischen Texten ist sie weniger ausgesprochen als in den journalistischen Texten. In der Literatur versucht sie ‚die Balance zu halten‘. Tilman Kraus spricht in „Der Welt“ von „einem Stimmungsbild zur Lage der Nation“.

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Die Verwirrungen des Zöglings Törleß

Robert Musil
D20-06
Steidl Verlag, Novelle, 2002, 216 Seiten

Robert Musil (1880-1942) wurde in Klagenfurt geboren. Er studierte in Berlin und promovierte über Ernst Mach (Physiker und Philosoph). Robert Musil kennen wir vom nicht leicht zugänglichen Klassiker , der Mann ohne Eigenschaften. Um den Autor kennenzulernen, kann man aber auch seinen Erstling lesen: , Die Verwirrungen des Zöglings Törleß (140 Seiten). Wir lernen drei Kadetten in einem Militär-Internat kennen: Törleß, Reiting und Beineberg. Sie überführen ihren Mitschüler Basini des Diebstahls und missbrauchen ihn als Versuchsobjekt. Das Internat ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos und bietet eine Vorschau auf die künftigen totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts. Der Autor hat selber eine solche Militärausbildung erfahren. Diese berühmte Schülergeschichte erzählt nicht nur von den Unsicherheiten und Abgründen der Pubertät, sondern auch von den Gewaltpotentialen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Der Text wird zu den frühen Werken der Moderne gerechnet und unterscheidet sich durch die subtile psychologische Schilderung der jungen Militärs.

Cox oder Der Lauf der Zeit

Christoph Ransmayr
D20-07
Verlag Fischer, Roman, 2017, 303 Seiten

Ein farbenprächtiger Roman über einen maßlosen Kaiser von China und einen englischen Uhrmacher, über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann. Der mächtigste Mann der Welt, Qianlong, Kaiser von China, lädt den englischen Automatenbauer und Uhrmacher Alister Cox an seinen Hof. Der Meister aus London soll in der Verbotenen Stadt Uhren bauen, an denen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Zeiten des Glückes, der Kindheit, der Liebe, auch von Krankheit und Sterben abzulesen sind. Schließlich verlangt Qianlong, der gemäß einem seiner zahllosen Titel auch alleiniger Herr über die Zeit ist, eine Uhr zur Messung der Ewigkeit. Cox weiß, dass er diesen ungeheuerlichen Auftrag nicht erfüllen kann, aber verweigert er sich dem Willen des Gottkaisers, droht ihm der Tod. Also macht er sich an die Arbeit. Eine außergewöhnliche Geschichte über Zeit und Maßlosigkeit. Dieter Wunderlich 2017.

Mit der Faust in die Welt schlagen

Lukas Rietzschel
D19-13
Verlag Ullstein, Roman, 2018, 320 Seiten
  • E-book

Zwei Brüder, ein Dorf in Ostsachsen und eine Wut, die immer größer wird. Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es. Das Lesen dieses Werkes macht auf sehr anschauliche Weise die Ursachen der Unruhen im Osten Deutschlands (denke an die Pegida-Bewegung u.a.) klar.

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  • Frankfurter Buchmesse 2018 - Lukas Rietzschel auf dem blauen Sofa. Deze verwijzing klopt niet meer, er wordt gezocht naar een vervangende verwijzing.
  • ZDF "Aspekte": Mit der Faust in die Welt schlagen. Fulminanter Debütroman aus Sachsen. Deze verwijzing klopt niet meer, er wordt gezocht naar een vervangende verwijzing.
  • Lukas Rietzschel - Sammlung von Bildern, Video's und Audiodateien

Metropol

Eugen Ruge
D20-08
Verlag Rowohlt, Roman, 2019, 429 Seiten

Eugen Ruges Großmutter Charlotte spielte schon eine Rolle in Im Zeiten des abnehmenden Lichts. Damals wusste er nicht besser als dass sie während des Krieges in Mexiko hat gelebt. Erst später entdeckte er, dass sie davor in Moskau war, und zwar als Mitarbeiter der Komintern. Die Geschichte fängt 1936 an. Es ist die Zeit des Großen Terrors. Stalin lässt die Partei mit viel Gewalt von Genossen säubern, die ihm missfallen. Auch Charlotte und ihr Lebenspartner Wilhelm werden entlassen und im Hotel Metropol untergebracht, wie auch immer mehr ihrer Kollegen. Monate leben sie in Angst, denn Mitarbeiter der Komintern verschwinden aus dem Metropol, und kehren nicht mehr zurück. Metropol ist ein erschütternder Tatsachenroman über die düstere Seite des Stalinismus. Ruge hat mit viel Einfühlungsvermögen das bedrohte Leben von Charlotte und Wilhelm beschrieben, aber sich auch in die Gedankenwelt eines schrecklichen Oberste Richters versetzt. Fakt und Fiktion sind künstlich mit einander verwoben.

Hölderlin. Komm! ins Offene, Freund!

Rüdiger Safranski
D20-09
Carl Hanser Verlag, Biografie, 2019, 336 Seiten

Der Philosoph Safranski ist vor allem durch seine in viele Sprachen übersetzte Biografien über unter anderen Goethe, Schiller, Heidegger, Nietzsche und Schopenhauer bekannt geworden. Er wurde mit mehreren Literaturpreisen für sein Werk unterschieden. Sein neuestes Werk ist die Biografie über Friedrich Hölderlin. Dies ist die Geschichte des Dichters Friedrich Hölderlin, der keinen Halt im Leben fand, obwohl er hingebungsvoll liebte und geliebt wurde. Als Dichter, Übersetzer, Philosoph, Hauslehrer und Revolutionär lebte er in zerreißenden Spannungen, unter denen er schließlich zusammenbrach. Seelisch tief verwundet, verbrachte er die zweite Hälfte seines Lebens im Tübinger Turm. Erst das 20. Jahrhundert entdeckte seine tatsächliche Bedeutung, manche verklärten ihn sogar zu einem Mythos. Und so folgt Rüdiger Safranski auch den Spuren, die Hölderlin in der Nachwelt hinterlassen hat. Eine mitreißende Biographie des großen Unbekannten unter den Klassikern.

Winterbienen

Norbert Scheuer
D20-10
C.H. Beck Verlag, Roman, 2019, 319 Seiten

Januar 1944: Egidius Arimond, ein frühzeitig aus dem Schuldienst entlassener Latein- und Geschichtslehrer, schwebt wegen seiner Frauengeschichten, seiner Epilepsie, aber vor allem wegen seiner waghalsigen Versuche, Juden in präparierten Bienenstöcken ins besetzte Belgien zu retten, in höchster Gefahr. Gleichzeitig kreisen über der Eifel britische und amerikanische Bomber. Arimonds Situation wird nahezu ausweglos, als er keine Medikamente mehr bekommt, er ein Verhältnis mit der Frau des Kreisleiters beginnt und schließlich bei der Gestapo denunziert wird. Dieser Roman, der in der Form von Tagebuchaufzeichnungen geschrieben ist, wird niemanden unberührt lassen. Nach dem Lesen wird man außerdem sehr viel mehr über das Leben der Bienen wissen als je zuvor.

Olga

Bernhard Schlink
D19-14
Verlag Diogenes, Roman, 2018, 310 Seiten
  • E-book

Die Geschichte einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft und einem Mann, dem sie ein Leben lang treu bleibt. Ein Dorf in Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts. Olga ist Waise, Herbert der Sohn des Gutsherrn. Sie verlieben sich und bleiben gegen den Widerstand seiner Eltern ein Paar, das immer wieder zueinander findet, auch als Olga Lehrerin wird und er zu Abenteuern nach Afrika, Amerika und Russland reist. Vom Kampf zurückgekehrt, voller Träume von kolonialer Macht und Größe, will er für Deutschland die Arktis erobern. Seine Expedition scheitert, und die Bemühungen zur Rettung enden, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Olga sieht ihn nicht wieder und bleibt ihm doch auf ihre eigene Weise verbunden. Erzählt wird die Geschichte einer starken, klugen Frau, die miterleben muss, wie nicht nur ihr Geliebter, sondern ein ganzes Volk den Bezug zur Realität verliert. Die spröde Olga bezaubert und berührt uns mit ihrer Lebens-geschichte.

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Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Der Trafikant

Robert Seethaler
D19-15
Verlag Kein & Aber, Roman, 2012, 249 Seiten
  • E-book

Der Trafikant von Robert Seethaler ist ein schöner, gut erzählter Roman, der spielt in einer hässlichen Zeit. Im Jahr 1937/1938 werden die Nazis in Wien immer brutaler und geht Österreich verloren. Hitler kommt. Im Roman geht es aber auch über Liebe und Freundschaft. Der junge Franz Huchel arbeitet in dem kleinen Laden eines freundlichen Trafikants. Der unerfahrene Franz verliebt sich unglücklich und lernt den berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freund kennen. Weiß er etwas über die Liebe? Nein, auch Freud kann ihm nicht helfen. Eine ungewöhnliche, rührende Freundschaft entsteht. Diese endet Anfang Juni 1938; die Nazis vertreiben Freud aus Wien und die Gestapo verhaftet Franz nachdem er auf aufsehenerregende Weise Widerstand geleistet hat.

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Interview mit Robert Seethaler über Der Trafikant

Der Klavierschüler

Lea Singer
D20-11
Kampa Verlag Zürich, Roman, 2019, 224 Seiten

Zürichsee im Vorfrühling 1986. Im Jahre 1937 hatte Vladimir Horowitz in der Schweiz eine Affäre begonnen, mit der er seine ganze Karriere und seine Ehe mit Toscaninis Tochter aufs Spiel setzte. Vor sieben Jahren stieß Lea Singer auf brisante unveröffentlichte Briefe von Vladimir Horowitz an einen jungen Schweizer namens Nico Kaufmann. Der begabte Sohn aus gutbürgerlichem Haus wurde 1937 sein erster Klavierschüler und sein Geliebter. Als Jude verfolgt, war Horowitz Ende der dreißiger Jahre zum Aufbruch ins Exil gezwungen. Fünfzig Jahre später erzählt Nico Kaufmann, zu einem Barpianisten herabgesunken, einem Unbekannten von dieser Liebe und ihren nächtlichen Seiten. Auf diese Begegnung hat die Autorin einen Roman aufgebaut, der dem Rezensenten mitreißend von Musik und Tod berichtet hat. Auch die Geschichte der verbotenen Liebe hat den Kritiker sehr berührt. (Neue Zürcher Zeitung)

Herkunft

Saša Stanišic
D20-12
Verlag Luchterhand, 2018, 368 Seiten

Deutscher Buchpreis 2019 "Herkunft" ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. "Herkunft" ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. "Herkunft" ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist. In "Herkunft" sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden. "Eines der intelligentesten, geistsprühenden und - nicht zuletzt - formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs!" Denis Scheck

Der Schimmelreiter

Theodor Storm
D20-13
Reclam, Novelle, 1888, 175 Seiten

Schon als Kind zeigt der ungewöhnlich begabte Hauke Haien Interesse an der Deichbaukunst. Er tritt als Knecht in die Dienste des alten Deichgrafen und wird bald zu dessen rechter Hand. Kurz nachdem der alte Deichgraf gestorben ist, heiratet Hauke die Tochter. Dadurch gelingt ihm der gesellschaftliche Aufstieg vom einfachen Knecht zum neuen Deichgrafen, das jedoch schafft ihm einige Neider. Der Schimmelreiter ist viel mehr als ein klassisches Stück deutscher Literatur - auf knappsten Raum nutzt er eine Gespenstergeschichte, um vom Kampf des Menschen gegen die Natur und gegen den Menschen zu erzählen. Hauke Haiens Versuch, dem Meer neue Grenzen zu ziehen, führt in einen Abgrund, dessen Ausdeutung den Leser verschlingt wie die Sturmflut das neugewonnene Land. Aberglaube und Realismus treffen aufeinander in diesem Klassiker, der zum Kanon der deutschen Literatur gehört.

Berlin Noir

Thomas Wörtche
D20-14
Verlag Hamburg, Krimi Kurzgeschichten,336 Seiten

Mit Erzählungen von Rob Alef, Max Annas, Zoë Beck, Katja Bohnet, Ute Cohen, Johannes Groschupf, Kai Hensel, Robert Rescue, Susanne Saygin, Matthias Wittekindt, Ulrich Woelk, Michael Wuliger und Miron Zownir. Eine tiefschwarze Liebeserklärung an Berlin. 13 Kurzgeschichten, 13 Blickwinkel, 13 Stadtviertel - und 13 faszinierende Teile eines größeren Puzzles. Ein spannendes literarisches Städteporträt aus extra für diese Anthologie geschriebenen Originalgeschichten etablierter Top-Autor/innen und aufregender Newcomer. Berlin ist eine Metropole in ständigem Wandel. Chaotisch, bunt, zersplittert und vielschichtig. Die Stadt hat kein Zentrum, aber unendliche viele Soziotope, Lebensstile und Mentalitäten. Arm trifft auf Reich, Spießer auf Künstler, Aufsteiger auf Abgestürzte. Berlin Noir ist der zweite Teil einer Reihe von internationalen Noir-Anthologien. Für alle, die hervorragend geschriebene und dabei spannende Erzählungen lieben.

Die Abenteuer des Alexander von Humboldt

Andrea Wulf
D20-15
C. Bertelsmann Verlag, Biografie, 2019, 272 Seiten

Aus dem Englischen von Gabriele Werbeck. Mit Zeichnungen von Lillian Melcher. Zum 250. Geburtstag des größten deutschen Naturforschers am 14. September 2019 legt Andrea Wulf ein farbenprächtiges, opulent illustriertes Buch über Humboldts berühmte Südamerikaexpedition vor. Angeregt von seinen Tagebüchern, Kupferstichen, Skizzen, Landkarten und präparierten Pflanzen erzählt Wulf die Geschichte seiner Reise aus einer völlig neuen Perspektive: anhand Humboldts eigener Tagebuchaufzeichnungen, die erst vor kurzem zugänglich gemacht wurden. "Die Abenteuer des Alexander von Humboldt" berichten von Mühsal, Gefahren, Begeisterung und Entdeckungen, aber auch von Humboldts Begegnungen mit der indigenen Bevölkerung Südamerikas und seinen Warnungen vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel. Wulfs Texte sind detailreich, historisch verlässlich und biografisch informiert. Ein Buch, das auch einen Bezug zwischen Humboldt und heutigen Umweltaktivisten herstellt. (Deutschlandfunk Kultur)